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Warum reicht ein Überauszug manchmal nicht aus und was kommt dann?

Sebastian Jurek ·
Schock Schwerlastauszüge aus Aluminium und Edelstahl

Ein Überauszug reicht dann nicht aus, wenn die benötigte Auszugslänge die maximale Schienenlänge eines einzelnen Systems übersteigt oder wenn konstruktive Einschränkungen im Einbauraum eine andere Lösung erfordern. In solchen Fällen kommen Tandem-Auszüge, kaskadierte Mehrfachauszüge oder kundenspezifische Sonderlösungen zum Einsatz. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um erweiterte Auszugssysteme im Maschinenbau.

Wann stößt ein Überauszug an seine Grenzen?

Ein Überauszug stößt an seine Grenzen, wenn die geforderte Auszugslänge die physikalisch mögliche Schienenlänge überschreitet, wenn die Traglast bei maximaler Auszugslänge zu stark abfällt oder wenn der verfügbare Einbauraum keine ausreichend langen Schienen zulässt. In diesen Situationen ist ein einzelnes Auszugssystem konstruktiv nicht mehr ausreichend.

Im Maschinenbau und Anlagenbau treten solche Anforderungen häufiger auf, als man zunächst vermuten würde. Denken Sie etwa an ausfahrbare Werkzeugträger, Schubladen in großen Schaltschränken oder Serviceklappen an Industriemaschinen, bei denen Bauteile vollständig zugänglich sein müssen. Wenn die Auszugslänge die Schienenlänge übersteigt, hilft auch ein Überauszug nicht weiter, denn dieser verlängert den Auszug zwar über die Schienenlänge hinaus, hat aber selbst eine konstruktiv bedingte Maximallänge.

Weitere Grenzen zeigen sich bei sehr hohen Lasten in Kombination mit langen Auszugswegen. Mit zunehmender Auszugslänge steigt das Kippmoment, was die effektiv nutzbare Traglast bei bestimmungsgemäßem Einbau gemäß Montageangaben deutlich reduziert. Wenn die Anforderungen an Hublänge und Traglast gleichzeitig hoch sind, reicht ein einzelner Überauszug oft nicht mehr aus.

Was ist ein Tandem- oder Mehrfachauszug und wie funktioniert er?

Ein Tandem-Auszug oder Mehrfachauszug ist ein System, bei dem zwei oder mehr Auszugsstufen mechanisch miteinander gekoppelt werden, um eine Gesamtauszugslänge zu erreichen, die ein einzelnes System nicht leisten kann. Die Stufen fahren dabei nacheinander oder synchron aus und multiplizieren so den nutzbaren Hub.

Das Grundprinzip ist vergleichbar mit einem Teleskop: Jede Stufe fährt aus der vorherigen heraus. Bei einem kaskadierten Zweistufensystem wird beispielsweise eine erste Schiene aus dem Grundkörper gezogen, und eine zweite Schiene fährt aus dieser ersten heraus. So lassen sich Auszugslängen realisieren, die ein Vielfaches der einzelnen Schienenlänge betragen.

Die mechanische Kopplung der Stufen kann auf verschiedene Arten erfolgen: über Riemen, Zahnstangen, Seile oder direkte mechanische Anlenkung. Wichtig ist dabei, dass die Synchronisation der Stufen zuverlässig funktioniert, um ungleichmäßige Belastungen und Verklemmungen zu vermeiden. Im industriellen Einsatz werden solche Systeme häufig mit Führungselementen kombiniert, die Seitenkräfte aufnehmen und die Laufruhe sicherstellen.

Welche Alternativen gibt es zum Überauszug im Maschinenbau?

Neben dem Tandem-Auszug gibt es im Maschinenbau mehrere Alternativen zum Überauszug: kaskadierte Teleskopschienen mit drei oder mehr Stufen, Linearführungssysteme mit Zahnriemen- oder Spindelantrieb sowie anwendungsspezifische Sonderkonstruktionen, die auf die jeweiligen Einbau- und Lastbedingungen abgestimmt sind.

Kaskadierte Teleskopschienen

Kaskadierte Systeme mit drei oder mehr Stufen eignen sich besonders dann, wenn der Einbauraum in der Tiefe begrenzt ist, aber ein sehr langer Auszugsweg gefordert wird. Der Nachteil liegt in der zunehmenden Komplexität der Konstruktion und in der Notwendigkeit, die Traglast über alle Stufen hinweg sorgfältig zu berechnen.

Angetriebene Linearführungen

Für sehr lange Hublängen oder wenn eine präzise Positionierung erforderlich ist, kommen angetriebene Linearführungen mit Zahnriemen, Kugelgewindetrieb oder Pneumatikzylinder in Frage. Diese Systeme bieten hohe Wiederholgenauigkeit, sind aber konstruktiv aufwändiger und in der Regel teurer als passive Auszugssysteme.

Wie wählt man das richtige Auszugssystem für extreme Hublängen aus?

Die Auswahl des richtigen Auszugssystems für extreme Hublängen hängt von vier zentralen Parametern ab: der geforderten Gesamtauszugslänge, der Traglast bei maximalem Auszug, dem verfügbaren Einbauraum und den Umgebungsbedingungen wie Temperatur, Feuchtigkeit oder Reinigungsanforderungen.

Beginnen Sie mit der Gesamtauszugslänge und dem Einbauraum. Aus dem Verhältnis dieser beiden Werte ergibt sich, wie viele Stufen das System benötigt. Als Faustregel gilt: Je größer das Verhältnis von Auszugslänge zu Einbaulänge, desto mehr Stufen sind erforderlich, und desto sorgfältiger muss die Traglastberechnung erfolgen.

Berücksichtigen Sie außerdem die Betriebshäufigkeit. Ein System, das täglich tausende Male betätigt wird, stellt andere Anforderungen an Materialqualität und Lagerung als ein Wartungsauszug, der nur wenige Male im Jahr geöffnet wird. Kugelgeführte Teleskopschienen bieten hier gegenüber gleitgeführten Systemen Vorteile in Bezug auf Leichtgängigkeit und Lebensdauer.

Schließlich spielen die Umgebungsbedingungen eine wichtige Rolle bei der Werkstoffwahl. In feuchten Umgebungen oder bei Reinigungsanforderungen mit aggressiven Mitteln sind Edelstahlschienen oder beschichtete Ausführungen die richtige Wahl, während in trockenen Industrieumgebungen verzinkter Stahl oder Aluminium ausreichend sein kann.

Welche Rolle spielt die Traglast bei kaskadierten Auszugssystemen?

Bei kaskadierten Auszugssystemen reduziert sich die effektiv nutzbare Traglast mit jeder zusätzlichen Stufe und mit zunehmender Auszugslänge, weil das Kippmoment überproportional ansteigt. Die Traglastangaben gelten immer nur bei bestimmungsgemäßem Einbau gemäß Montageangaben und müssen für jede Einbausituation individuell geprüft werden.

Das Kippmoment entsteht, weil die Last am Ende des ausgezogenen Systems einen langen Hebelarm bildet. Je länger der Auszug und je weiter die Last vom Befestigungspunkt entfernt ist, desto größer wird dieses Moment. Bei einem zweistufigen System kann die effektive Traglast bei maximalem Auszug deutlich unter der Nenntraglast des einzelnen Systems liegen.

Für die Konstruktion bedeutet das: Traglastangaben aus Datenblättern sind immer als Ausgangspunkt zu verstehen, nicht als garantierte Werte für jede Einbausituation. Eine sorgfältige Berechnung unter Berücksichtigung von Einbaulage, Lastangriffspunkt und Betriebsbedingungen ist bei kaskadierten Systemen besonders wichtig. Im Zweifelsfall empfiehlt sich eine Rücksprache mit dem Hersteller, bevor die Konstruktion abgeschlossen wird.

Wann lohnt sich eine kundenspezifische Sonderlösung statt eines Standardprodukts?

Eine kundenspezifische Sonderlösung lohnt sich dann, wenn Standardprodukte die Anforderungen an Hublänge, Traglast, Einbauraum oder Umgebungsbedingungen nicht erfüllen können, wenn die Stückzahl eine wirtschaftliche Sonderfertigung rechtfertigt oder wenn die Integration in eine Baugruppe besondere Anschlussgeometrien erfordert.

Typische Auslöser für eine Sonderlösung sind ungewöhnliche Einbaumaße, die kein Standardprofil abdeckt, sehr hohe Traglastanforderungen in Kombination mit langen Auszugswegen oder spezielle Oberflächenanforderungen für hygienisch sensible Bereiche. Auch wenn eine Teleskopschiene direkt in eine Baugruppe integriert werden soll und dabei bestimmte Anschlussbohrungen, Befestigungspunkte oder Endanschläge benötigt, ist eine Sonderfertigung oft wirtschaftlicher als eine aufwändige Nachbearbeitung von Standardteilen.

Die Entscheidung zwischen Standard und Sonderlösung ist auch eine Frage der Stückzahl und des Zeitrahmens. Sonderlösungen erfordern in der Regel eine längere Vorlaufzeit für Entwicklung und Werkzeugbau. Bei kleinen Stückzahlen und engen Zeitplänen kann es sinnvoller sein, ein Standardprodukt konstruktiv anzupassen, als eine vollständige Neuentwicklung anzustoßen.

SCHOCK® Teleskopschienen: Lösungen für anspruchsvolle Auszugsanforderungen

Wenn Standardlösungen nicht mehr ausreichen, brauchen Sie einen Partner, der technische Tiefe mit Fertigungskompetenz verbindet. Wir entwickeln und fertigen kugelgeführte Teleskopschienen von SCHOCK® vollständig in Europa, von der Profilentwicklung bis zur montagefertigen Baugruppe.

  • Traglastbereich bis 2.500 kg bei bestimmungsgemäßem Einbau gemäß Montageangaben, in Ausführungen als Teilauszug, Vollauszug und Überauszug
  • Schienenlängen bis 3.000 mm für Anwendungen mit extremen Hublängen im Maschinenbau und Anlagenbau
  • Werkstoffe nach Anforderung: verzinkter Stahl, Aluminium und Edelstahl für hygienisch sensible oder korrosionsbelastete Umgebungen
  • Sonderlösungen und Baugruppen: Wir fertigen anwendungsspezifische Auszugssysteme mit kundenspezifischen Anschlussgeometrien und Oberflächenbehandlungen
  • Hohe Fertigungstiefe innerhalb der SCHOCK Group für kurze Reaktionszeiten und kompromisslose Qualität nach ISO 9001

Wenn Sie wissen möchten, welches Auszugssystem für Ihre spezifische Anforderung geeignet ist, helfen wir Ihnen gerne weiter. Sie können uns direkt Kontakt aufnehmen oder einen Händler in Ihrer Nähe finden.

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