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Was bedeutet Auszugslänge bei Teleskopschienen genau?

Sebastian Jurek ·
Teleskopschiene „AIR Motion" ausgezeichnet mit dem Interzum Award „Best of the Best"

Wer Teleskopschienen für industrielle Anwendungen, Werkstattwagen, Fahrzeugeinbauten oder Lagersysteme auswählt, stößt schnell auf einen zentralen Begriff: die Auszugslänge. Sie entscheidet darüber, ob eine Schublade, ein Tablar oder eine Plattform im geöffneten Zustand wirklich zugänglich ist – oder ob der Anwender am Ende nur an halb geöffneten Schubladen zieht. Die Auszugslänge bei Teleskopschienen bezeichnet den Weg, den das bewegliche Element einer Schiene aus der Ruheposition heraus zurücklegen kann, und ist damit einer der wichtigsten Parameter bei der Produktauswahl.

Welche Auszugsarten gibt es bei Teleskopschienen?

Bei kugelgelagerten Teleskopschienen unterscheidet man drei grundlegende Auszugsarten: den Teilauszug, den Vollauszug und den Überauszug. Jede Variante definiert, welcher Anteil der Einbaulänge als nutzbarer Auszugsweg zur Verfügung steht.

Teilauszug

Beim Teilauszug fährt das Innenteil nur bis zu einem bestimmten Punkt aus, ohne die volle Schienenlänge zu erreichen. Das bedeutet: Ein Teil des geführten Objekts bleibt im eingefahrenen Zustand verdeckt. Diese Variante eignet sich besonders dann, wenn wenig Platz vorhanden ist oder ein vollständiger Zugang nicht erforderlich ist.

Vollauszug

Der Vollauszug ermöglicht einen Auszugsweg, der der Einbaulänge der Schiene entspricht. Bei einer Schiene mit 500 mm Länge stehen also rund 500 mm Auszugsweg zur Verfügung. Der Inhalt des Behälters oder der Plattform ist damit vollständig zugänglich, was in der Praxis die häufigste Anforderung ist.

Überauszug

Der Überauszug geht über die Einbaulänge hinaus. Das Innenteil fährt weiter aus, als die Schiene selbst lang ist; dies wird durch eine mehrteilige Schienenkonstruktion mit zusätzlichen Auszugssegmenten erreicht. Diese Bauform ist ideal, wenn das geführte Objekt vollständig aus dem Gehäuse oder Rahmen herausgezogen werden muss, zum Beispiel bei Maschinenverkleidungen, Laborschubladen oder schweren Industrieeinschüben.

Wie berechnet man die benötigte Auszugslänge?

Die benötigte Auszugslänge berechnet man, indem man die Tiefe des zu führenden Objekts mit dem gewünschten Zugänglichkeitsgrad kombiniert. Als Faustregel gilt: Die Auszugslänge sollte mindestens der Tiefe des Inhalts entsprechen, damit dieser vollständig zugänglich ist. Beim Überauszug kann sie sogar größer sein als die Einbautiefe.

In der Praxis geht man folgendermaßen vor:

  1. Tiefe des Einbauorts messen, also den verfügbaren Raum, in dem die Schiene montiert wird.
  2. Nutztiefe des geführten Elements bestimmen, zum Beispiel die Tiefe einer Schublade oder einer Plattform.
  3. Auszugsart festlegen: Reicht ein Teilauszug, oder muss der Inhalt vollständig zugänglich sein?
  4. Eine Auszugslänge wählen, die mindestens der Nutztiefe entspricht: beim Vollauszug also gleich der Einbaulänge, beim Überauszug größer.

Wichtig ist dabei, auch den Überstand beim Ausfahren zu berücksichtigen. Wenn die Schiene vollständig ausgefahren ist, muss vor dem Einbauort genug Raum vorhanden sein, damit das Element nicht blockiert oder gegen ein Hindernis stößt. Dieser Freiraum wird oft unterschätzt und führt zu Planungsfehlern.

Was ist der Unterschied zwischen Auszugslänge und Einbaulänge?

Die Einbaulänge ist die physische Länge der Schiene im montierten Zustand, also der Platzbedarf in der Tiefe des Einbauorts. Die Auszugslänge hingegen ist der Weg, den das bewegliche Innenteil zurücklegen kann. Beide Werte sind verwandt, aber nicht identisch.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Eine Schiene mit 400 mm Einbaulänge hat beim Vollauszug eine Auszugslänge von ebenfalls rund 400 mm. Beim Überauszug kann dieselbe Schiene eine Auszugslänge von 550 mm oder mehr erreichen, obwohl die montierte Länge unverändert bleibt. Umgekehrt hat eine Schiene mit Teilauszug bei 400 mm Einbaulänge vielleicht nur 280 mm Auszugsweg.

Für die Planung bedeutet das: Die Einbaulänge bestimmt, wie viel Platz die Schiene im Gehäuse oder Rahmen benötigt. Die Auszugslänge bestimmt, wie weit das geführte Element herausgezogen werden kann. Beide Werte müssen separat auf die Anforderungen der Anwendung abgestimmt werden.

Welche Auszugslänge ist für schwere Lasten geeignet?

Für schwere Lasten sind längere Schienen mit stabiler Kugelführung und ausreichend dimensionierten Auszugssegmenten notwendig. Grundsätzlich gilt: Je länger die Auszugslänge bei gleichzeitig hoher Last, desto größer das Biegemoment auf die Schiene. Deshalb müssen Tragkraft und Auszugslänge immer gemeinsam betrachtet werden.

Bei Schwerlastanwendungen, zum Beispiel im Maschinenbau, im Fahrzeugbau oder im Anlagenbau, empfiehlt sich eine Schiene, bei der die Tragkraftangabe bereits auf die maximale Auszugslänge bezogen ist. Eine Schiene, die 500 kg bei 300 mm Auszug trägt, kann bei 600 mm Auszug deutlich weniger Last aufnehmen, weil das Hebelmoment steigt. Die Tragkraftangaben sollten daher immer im Zusammenhang mit der angegebenen Auszugslänge gelesen werden.

Welche Fehler sollte man bei der Auszugslänge vermeiden?

Die häufigsten Fehler bei der Auswahl der Auszugslänge entstehen durch unvollständige Planung oder durch die Verwechslung zentraler Begriffe. Wer diese Fehler kennt, vermeidet kostspielige Nachbesserungen und Verzögerungen.

  • Einbaulänge mit Auszugslänge verwechseln: Beide Werte sind unterschiedlich und müssen getrennt geprüft werden.
  • Freiraum vor dem Einbauort vergessen: Beim vollständigen Ausfahren muss ausreichend Platz vor der Schiene vorhanden sein.
  • Tragkraft ohne Bezug zur Auszugslänge wählen: Tragkraftangaben gelten immer für eine bestimmte Auszugsposition. Bei längeren Auszügen sinkt die zulässige Last.
  • Auszugsart nicht an den Nutzungsbedarf anpassen: Ein Teilauszug spart Platz, schränkt aber die Zugänglichkeit ein. Wer den vollen Inhalt einer Schublade erreichen möchte, braucht mindestens einen Vollauszug.
  • Schienenlänge zu knapp wählen: Eine zu kurze Schiene führt zu einem instabilen Lauf und erhöhtem Verschleiß, besonders bei häufiger Betätigung.

Eine sorgfältige Planung, bei der Einbaulänge, Auszugslänge, Tragkraft und Auszugsart aufeinander abgestimmt sind, ist die Grundlage für eine langlebige und zuverlässige Lösung. Wer diese Parameter von Anfang an richtig definiert, spart Zeit, Kosten und Nerven bei der Umsetzung – ein Blick auf die verfügbaren Funktionen und Ausstattungsmerkmale hilft dabei, die passende Schiene gezielt auszuwählen.

Wie SCHOCK® Group bei der Wahl der richtigen Auszugslänge hilft

Die richtige Auszugslänge zu bestimmen ist keine reine Rechenaufgabe – sie erfordert Erfahrung, ein breites Produktprogramm und kompetente Beratung. Bei SCHOCK® bieten wir beides: ein umfassendes Sortiment an kugelgelagerten Teleskopschienen in allen drei Auszugsarten sowie technische Unterstützung bei der Auslegung für individuelle Anwendungen. Gemeinsam mit Ihnen finden wir die Lösung, die zu Ihrer Einbausituation, Ihrer Last und Ihrem Nutzungsbedarf passt.

  • Alle drei Auszugsarten verfügbar: Teilauszug, Vollauszug und Überauszug – in Schienenlängen bis 3.000 mm und für Tragkräfte bis 2.500 kg.
  • Tragkraft und Auszugslänge aufeinander abgestimmt: Unsere Produktdaten weisen Tragkraftangaben immer in Bezug auf die jeweilige Auszugslänge aus – für eine zuverlässige Planungsgrundlage.
  • Technische Beratung inklusive: Bei komplexen Anforderungen, etwa im Schwerlastbereich oder bei engen Einbausituationen, unterstützen wir Sie bei der Auswahl der passenden Schiene.
  • Breites Standardprogramm: Viele Anwendungen lassen sich direkt aus unserem Katalog bedienen – ohne lange Wartezeiten oder Sonderanfertigungen.

Sie möchten die passende Teleskopschiene für Ihre Anwendung finden? Entdecken Sie unser Produktprogramm oder nehmen Sie Kontakt auf – wir beraten Sie individuell und berücksichtigen Ihre Anforderungen an Auszugslänge, Tragkraft und Einbausituation von Anfang an.

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